Dynamische Plakate für schnelle Züge (Publikation Zürichsee Zeitung 01.06.2017)

Es ist genau 60 Jahre her, dass Züge des Trans Europ Express (TEE) erstmals durch Europa rollten. Der Bildband «Trans Europ Express Plakatkunst 1957-1990» zeigt, wie damals für die Luxuszüge geworben wurde. Herausgegeben hat ihn ein Oberriedner.

Manch älterer Oberriedner mag sich noch erinnern, dass TEE-Züge in Richtung Mailand den Bahnhof Oberrieden Dorf rasant durchquerten. Ab 1957 verbanden 13 TEE-Dieseltriebzüge die wichtigsten Hauptstädte Europas. 1961 wurde das Netz der Städteverbindungen aus der Schweiz mit den elektrischen Rae TEE II erweitert.

Diese Triebzüge waren für vier Stromsysteme ausgelegt und konnten deshalb ohne Lokomotivwechsel zwischen Mailand, Paris, Brüssel und Amsterdam verkehren. Damals verliess der TEE «Gottardo» mit vier Erstklass-, einem Speise- und einem Küchen- und Maschinenwagen Zürich um 8.50 Uhr. Seine Höchstgeschwindigkeit betrug 160 km/h. Den Bahnhof Mailand erreichte der Zug nach 3 Stunden 47 Minuten. «Die heutige Reisezeit durch den neuen Gotthard-Basistunnel beträgt 3 Stunden 26 Minuten», sagt der Herausgeber des Bildbands, Daniel Häni.

Der Anstoss, das TEE-System zu entwickeln, kam in den 1950er-Jahren vom Generaldirektor der niederländischen Staatsbahnen Franciscus Quirien Den Hollander. Am europäischen Bahnprojekt beteiligten sich die Bahnen von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, der Niederlande und als einziger nicht EWR-Staat die Schweiz. Später kamen noch Spanien und Dänemark dazu. «Ziel war ein Bahnangebot mit möglichst kurzen Reisezeiten zwischen den Metropolen und Tourismusorten dieser Länder», erklärt Daniel Häni. Dass es gelungen sei, ein einheitliches Erscheinungsbild der Züge zu schaffen, sei erstaunlich. Das Markenzeichen der TEE-Express-Züge wurde die Farbkombination «Weinrot/Beige».

Fündig im Wirtschaftswunder-Museum

Geworben wurde mit Komfort und Geschwindigkeit der Erstklass-Züge. Die beteiligten Staatsbahnen beauftragten namhafte Kunstschaffende, deren Biografien im Buch aufgelistet sind, für die Plakate. «In den Plakaten wird ersichtlich, was die Faszination der TEE-Ära ausmachte», sagt Häni. 160 Plakate hat er aus ganz Europa zusammengetragen. Zwei Jahre hat der in seinem früheren Berufsleben in der Agrochemie Tätige für sein erstes Buch recherchiert. «Bei Vereinen, Museen und Sammlungen, auch Privatpersonen», erzählt er. «In Deutschland gibt es ein Wirtschaftswunder-Museum, da wurde ich auch fündig.

«Die Plakate zeigen die Aufbruchstimmung und den Zeitgeist.»Daniel Häni, Herausgeber

Die Plakate zeigen die Aufbruchstimmung und den Zeitgeist», sagt er. Diese zu veröffentlichen war auch eine Kostenfrage. «Museen oder Sammlungen stellen diese nicht gratis zur Verfügung.» Die Texte bieten eine französische und englische Übersetzung der deutschen Texte.

Natürlich sind auch Schweizer Plakate aufgelistet. «In den Plakaten von Kurt Wirth und Hans Hartmann zeigt sich exemplarisch die Vorreiterrolle des Landes im progressiven Design der Nachkriegsjahre», schreibt Kunsthistorikerin Bettina Richter. Fotografie und Grafik als gestalterische Mittel, eine klare Komposition und die präzzis eingesetzte Typografie seien Charakteristika des nüchternen, objektiven Swiss Style.

Europa-Bahnen hatten schweren Stand

Das europäische Bahnprojekt beinhaltete auch in Europa verkehrende Nachtzüge (TEN (Trans Euro Nacht) und Güterzüge (TEEM Trans Europ Marchandises). Auch diese Züge sind mit Plakaten beworben worden.

Warum die Europa-Bahnen in der EU einen schweren Stand hatten, erläutert Sebastian Ramspeck, EU-Korrespondent des Schweizer Fernsehens. «Die europäische Integration ist von ihrem Wesen her stets vor allem ein Liberalisierungsprojekt gewesen, sehr viel weniger ein Investitions- und Infrastrukturprogramm.» Der Eisenbahn habe das nicht geholfen.

Nach dreissig Jahren endete das so engagiert gestartete europäische Bahnprojekt. Benedikt Weibel, ehemaliger SBB-Chef, erklärt es: «Züge mit ausschliesslich erster Klasse fanden keine ausreichende Nachfrage. Ausserdem waren es zu wenig Sitzplätze.» Die Züge wurden verschrottet. Ein Schweizer Exemplar konnte gerettet werden. SBB Historic übernahm die am besten erhaltene Komposition, restaurierte sie zu einem Zug mit 210 Plätzen und bietet sie für Extrafahrten an.

«Trans Europ Express, Plakatkunst 1957 – 1990», ISBN 98-3-906118-51-2, 79 Franken, ist im Mai 2017 erschienen und kann beim Autor Daniel Häni, daniel.haeni@bluewin.ch sowie bei Rotten Verlags AG, Visp, bestellt werden. (Zürichsee-Zeitung)

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